#DigitalScientist – Interview mit Astro-Blogger Stefan Gotthold
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#DigitalScientist N°3 Interview mit Stefan Gotthold

Stefan twittert und schreibst Postings, wenn er vom Planetarium in die Sternwarte fährt und umgekehrt. Sein Herz schlägt ganz für die Astronomie und das, obwohl er etwas völlig Anderes studiert hat. Seine Botschaft an alle Wissenschaftler*innen: Wissenschaftskommunikation funktioniert nur mit Begeisterung – und dann richtig gut!

Das erste Mal getroffen haben wir uns auf einem der zahlreichen Barcamps, die es rund um das Thema Wissenschaftskommunikation gibt. Vielleicht beim Fast Forward Science Barcamp? Ich weiß es nicht mehr genau. Wahrscheinlich weil man mit Stefan – egal wo – schnell ins Gespräch kommt…

Lieber Stefan, was ist dein Fachgebiet und was machst du beruflich?

Liebe Susanne, vielen Dank erst einmal für diese Interviewgelegenheit. Ich bin Diplom-Ingenieur (FH) und habe Technische Informatik im Maschinenbau studiert.

Mein Fachgebiet liegt aber woanders. Ich habe mich 2014 selbstständig gemacht. Zum einen betreibe ich einen großen astronomischen Blog und zum anderen habe ich mich auf Social-Media-Beratung im Wissenschaftsbereich spezialisiert. Mein Herz schlägt für die Astronomie und das zeigt mein Blog auch recht gut.

2017 habe ich die Gelegenheit bekommen, in einer der größten astronomischen Organisationen Deutschlands mitzuarbeiten. Die Stiftung Planetarium Berlin wurde 2016 gegründet und ich bin mittlerweile fest in dem Team der Bildung integriert und darf hier an einer tollen Sache mitwirken.

Spannend! Wo finden wir dich online? Und mit wem und worüber kommunizierst du im Netz?

Überall lautet wohl die beste Antwort. Mich findet man auf Twitter, Facebook, Snapchat, WhatsApp, im Blog, bei Youtube und alles was heute so für Kommunikation benutzt wird.

Ich kommuniziere vornehmlich bei Twitter und Facebook und das mit Menschen, die meine Interessen teilen oder spannende Geschichten erzählen können. Ich bin leicht zu faszinieren und daher folge und rede ich mit jedem, der diese Faszination bei mir auslösen kann oder meine Begeisterung teilt.

Mein Vorteil ist, dass ich online genauso kommuniziere wie im Offline-Leben. Ich rede viel und gern. Ich habe keine Scheu, andere anzusprechen und mich mit ihnen zwei Stunden zu unterhalten. Es kommt auf das Thema und die Begeisterung an. Dann fängt man mich sowohl im echten wie auch im digitalen Leben.

Für mich bist du auf jeden Fall ein #DigitalScientist. – Was braucht es deiner Meinung nach, um Wissenschaft erfolgreich online zu kommunizieren?

Hier wird es schon etwas kompliziert. Ich weiß gar nicht, ob ich ein Scientist bin. Trotzdem danke für die Bezeichnung. Digital gebe ich gern zu und Wissenschaftskommunikation betreibe ich auch (sagen André Lampe und andere zumindest), aber im Inneren bezeichne ich mich nicht als Wissenschaftler. Das spielt aber für die Kommunikation und deine Frage keine Rolle.

Um in der Wissenschaft erfolgreich zu kommunizieren, bedarf es nur zwei Dinge – den Willen überhaupt zu kommunizieren und die Begeisterung für das eigene Thema. Mehr ist meiner Meinung nach nicht notwendig.

Schreibe ich z.B. darüber, dass ein Asteroid (astronomisch gesehen) „nahe“ an der Erde vorbeifliegt und hinterher herauskommt, dass dieser auch noch einen Trabanten hatte, könnte ich ausflippen. Das ist für mich ein Mega-Ereignis! Denn das finden wir mit unseren beschränkten Mitteln von der Erde über tausende von Kilometern heraus. Meine Aufregung merkt man auch an meinen Posts oder Tweets und damit scheine ich die Leute anzustecken.

Wir alle kennen Lehrer*innen, Professor*innen oder Kollegen*innen, die an ihrem Job keine Freude haben. Wenn jemand nur forscht oder arbeitet, um Geld zu verdienen, aber keine Begeisterung für sein Fach hat, merken das die Leute schnell. In diesem Fall nutzt das Kommunizieren nichts.

Kannst du sagen, was dir die digitale Wissenschaftskommunikation gebracht hat, persönlich oder auch professionell??

Zum einen habe ich sehr spannende Leute kennengelernt, die spannende Themen zu erzählen haben. Zum anderen baue ich damit mein Netzwerk an privaten und beruflichen Kontakten aus. So durfte ich als Blogger und Kommunikator zur ESA oder auch schon mal zu einer Pressekonferenz mit Alexander Gerst (ohne eine Akkreditierung zu besitzen).

Im Paul-Löbe-Haus saß ich mit Frau Zypries zusammen – diese Einladung kam per Twitter. Als Koordinatorin für Luft- und Raumfahrt diskutierte ich mit ihr neue Projekte zu Astronomie für Blinde und vieles mehr.

Einige spannende Projekten habe ich umsonst begleitet, weil mich das Thema fesselte. Andere wurden gut bezahlt. Digitale Wissenschaftskommunikation ist wie das wahre Leben. Nur wer gibt, bekommt auch etwas. Ich kommuniziere über verschiedenste Kanäle und bekomme unendlich viel zurück. Es ist sehr schade, dass viele Menschen das noch nicht verstanden haben.

Wie sieht dein Social-Media-Alltag aus, wie organisierst du deine Aktivitäten im Netz?

Mittlerweile hat sich dies durch meinen neuen Job geändert.  Während meiner Selbstständigkeit ging es morgens mit News lesen, Twitter anschauen, Facebook prüfen, Blog checken los. Kontakte pflegen und neue Kontakte knüpfen. Dafür konnten schon mal zwei bis drei Stunden draufgehen.

Anschließend ging es ans Bloggen oder Kundenaufträge abarbeiten. Danach ging es abends oft zu Kommunikationsstammtischen oder anderen Veranstaltungen, bei denen man sich sehen lassen musste. 13 bis 14 Stunden als Selbstständiger waren keine Seltenheit.

Heute sieht es entspannter aus. Ich nutze die Fahrtwege zwischen den Planetarien und Sternwarten, um meine Accounts zu prüfen oder auf Nachrichten zu antworten oder auch mal einen kleinen Post abzusetzen.

Ich bin neugierig. Was ist dein nächstes großes Ziel als Wissenschaftler im Netz?

Ich bin ja eher der Wolowitz (Big Bang Theorie) unter den Wissenschaftler*innen. Trotzdem sind meine Ziele groß und die Zeit diese umzusetzen viel zu gering. Ein größeres Projekt ist, meinen Twitterbot (@werabot – einen Welt-Raum-Bot) endlich auszuwerten und die Ergebnisse zu veröffentlichen.

Als Social-Media-Manager habe ich Firmen und Organisationen beraten und irgendwann kam mir der Gedanke, ob nicht alle Social-Media-Manager falsch liegen. Daraufhin habe ich meine Social-Media-Tipps auf einige einfache Regeln reduziert und mit einem Automatismus einen Bot entwickelt. Mein Informatikstudium kam mir dabei zugute. Dieser Roboter läuft seit einem Jahr und hat auf seinem Kanal über 1.200 Follower gesammelt.

Diesen Bot möchte ich auswerten und anderen zur Verfügung stellen. Wissenschaftskommunikation kann viel Arbeit bedeuten. Das hält viele davon ab, zu twittern oder zu posten. Man kann sich das Social-Media-Leben aber um einiges vereinfachen und dafür steht der Bot. Alles geht damit natürlich nicht.

Ansonsten müsste ich meinen Blog mal wieder intensiver befüllen. Zum Glück gibt es hier mehr als 1000 Artikel im Archiv und daher läuft er, auch ohne dass ich viel Neues bloggen muss.

Zum Abschluss noch eine indiskrete Frage: Gerade bei den ersten Schritten mit Social Media macht man ja oft mal komische Dinge oder läuft etwas schief. Über welche Geschichte aus deiner digitalen Jugend musst du immer noch schmunzeln?

Ich habe gleich zwei Geschichten. Eine ist zum Schmunzeln, die andere eher nicht.

Das Treffen mit Frau Zypries im Paul-Löbe-Haus wurde nur über Twitter abgesprochen. Ich war sehr aufgeregt. Da ich weiß, dass manche Politiker*innen oder VIPs ihre Twitteraccounts von Ghostwritern befüllen lassen, stand ich vor dem Gebäude und dachte: Da oben steht bestimmt eine Horde von Praktikant*innen, die sich halb tot lachen über den Idioten, der da unten wartet. Zum Glück war es nicht so, aber ein komisches Gefühl war es schon.

Bei der traurigen Geschichte handelte es sich um ein Fakebild, das ich geteilt habe. Ich bin darauf reingefallen. Es sollte das erste Bild der Raumsonde Rosetta und dessen Lander Philae vom Kometen „Tschuri“ sein. Für mich sah es echt aus und ich habe es geteilt. Die Quelle kam mir nicht komisch vor, da es eine andere astronomische Organisation war. Aber auch die Leute dort sind darauf reingefallen.

Es hat meiner Reputation zum Glück nicht geschadet, aber es hätte anders kommen können. Ich habe mir dann vorgenommen, die Sachen doch genauer zu prüfen. Man sollte sich der Gefahren bewusst sein, aber diese auch nicht überbewerten. Schaut man mit offenen Augen hin und denkt ein wenig darüber nach, kann nicht wirklich viel schief gehen in den sozialen Medien.

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