#DigitalScientist – Interview mit Physiker André Lampe
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#DigitalScientist N° 1 – Interview mit André Lampe

Ich bin immer ganz aus dem Häuschen, wenn ich ein neues spannendes Online-Profil einer Wissenschaftlerin oder eines Wissenschaftlers entdecke. Und da wir alle Vorbilder brauchen, möchte ich euch diese inspirierenden Menschen natürlich nicht vorenthalten. In meiner neuen Blogserie #DigitalScientist interviewe ich daher (immer am ersten Mittwoch des Monats) Wissenschaftler*innen, die ihre Sache im Netz richtig gut machen.

André Lampe ist für mich jemand, an dem man beim Thema Wissenschaftskommunikation nicht vorbeikommt. Wir sind uns 2017 beim Lange Nacht Barcamp und WIMACamp über den Weg gelaufen und haben es Anfang des Jahres schließlich geschafft, uns ganz entspannt im Café Bilderbuch über Wissenschaft, Social Media und das Bloggen auszutauschen.

André versprüht grundsätzlich gute Laune und hat ständig neue Projektideen. Als Physiker und Biochemiker gilt seine Liebe den Mikroskopen und der Wissenschaftskommunikation. Aber das erzählt er am besten selbst…

Lieber André, was ist dein Fachgebiet und was machst du beruflich?

Ich bin Physiker (Diplom) und Biochemiker (Dr.). Mein Fachgebiet ist die Hochauflösungsmikroskopie, ein interdisziplinäres Feld aus Physik, Chemie, Bio und Computerwissenschaften. Ich bin Wissenschaftler und forsche gerade frei weiter an Mikroskopen und ich bin selbständig als Moderator und Wissenschaftskommunikator.

Die Wissenschaft findet zur Zeit in meinem Wohnzimmer statt – dort bastel ich gerade an einem Mikroskop, mit dem Ziel darüber auch ein Paper zu schreiben. Außerdem bin ich mit „Plötzlich Wissen!“ unterwegs, ein Guerilla-Projekt bei dem wir drei Wissenschaftler*innen dahin gehen, wo niemand damit rechnet, Experimente und Geschichten aus der Wissenschaft zu erleben: in Kneipen.

Als Moderator stehe ich meistens bei Veranstaltungen mit Wissenschaftsbezug auf der Bühne. Ich bin auch als Wissenschaftskommunikator unterwegs, wobei es mir immer schwer fällt, scharf zu trennen, wann ich welchen Hut auf habe, da ich mich in erster Linie als Wissenschaftler sehe. Ich bin zur Zeit gefördert für ein Projekt mit Lehrer*innenfortbildungen und Schüler*innen-Workshops unter dem Titel „Wissenschaftliches Storytelling“, ich hab unter anderem an der FU Berlin und der Uni HH „Wie man gute Vorträge hält“ und „Wissenschaftskommunikation“ unterrichtet und ich mache einiges an Formatentwicklung für die WissKomm. Ich rede, blogge und twittere liebend gerne über Mikroskopie, Open Science und das, was an Wissenschaft fasziniert.

Spannend! Wo finden wir dich online? Und mit wem und worüber kommunizierst du im Netz?

Ich habe ein Blog bei den scienceblogs.de: „die kleinen Dinge“. Dort geht es vor allem um die Mikroskopie, auch wie man als Interessierter anfängt, aber auch ab und zu mal um Wissenschaftskommunikation, Open Science und das Leben als Wissenschaftler.

Dann gibt es da noch Twitter, wo man mich unter @andereLampe finden kann. Twitter mag ich sehr gerne – eine tolle Möglichkeit mich mit vielen anderen Forschenden zu vernetzen und ich bekomme damit einen guten Überblick über die aktuelle Literatur meines Feldes. Aber ich tausche mich dort auch über Open Science aus, über alltägliche Dinge, Politisches und einiges aus dem Bastel-, Hacker- und CCC-Umfeld. Und natürlich auch über WissKomm.

Ich bin auch bei Facebook, Google+ und YouTube, aber diese Plattformen nutze ich nicht sonderlich aktiv. YouTube manchmal, wenn ich Videos für das Blog veröffentliche.

Ich habe auch einen Account bei ResearchGate, dem sogenannten „Facebook für Akademiker*innen“, aber ich tue dort eigentlich nichts mehr, denn das Geschäftsmodell dahinter stört mich. Gelöscht habe ich mich allerdings dort noch nicht, die Sache ist etwas kompliziert, aber es läuft auf „Dark sharing vs. Open access“ hinaus, denke ich. Mehr dazu kann man hier mal (auf Englisch) lesen.

Für mich bist du auf jeden Fall ein #DigitalScientist. – Was braucht es deiner Meinung nach, um Wissenschaft erfolgreich online zu kommunizieren?

Danke! Der Hashtag #DigitalScientist ist eine interessante Zuschreibung. Alles, was ich bisher in der Forschung getrieben habe, war irgendwie digital. Die Mikroskope, die ich gebaut habe, lieferten vor allem Daten und die Software für die Auswertung war ein wesentlicher Teil meiner Arbeit. Ich schätze, dass es vielen Wissenschaftler*innen so geht, dass sie einen oder mehrere Aspekte ihrer Forschungsaktivitäten im digitalen Bereich haben.

Meiner Meinung nach braucht es drei Dinge. Begeisterung für ein Thema, den für sich selbst richtigen Kanal und Spaß an der Sache.

Auch deswegen bin ich immer wieder erstaunt, dass wenige Wissenschaftler*innen die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation ausschöpfen. Bitte nicht falsch verstehen, ich sage nicht, dass jede/r Wissenschaftler*in auf Twitter oder so sein sollte – das ist eine persönliche Entscheidung – nur oft stolpere ich über Haltungen zu dem Thema, die in Richtung „Ich mache so einen Quatsch nicht!“ gehen. Das ist schade. So funktioniert die wissenschaftliche Herangehensweise nicht. Ich würde mich freuen, öfter Dinge zu hören wie „Mir passen die AGBs nicht“, „Ich hab festgestellt, dass kostet mich zu viel Zeit“ oder „Ich hab keine Freude daran“. Dann wüsste man wenigstens, dass da ein Experiment statt gefunden hat, aber ich schweife ab.

Zur Frage was es braucht, Wissenschaft erfolgreich online zu kommunizieren: Meiner Meinung nach braucht es drei Dinge. Begeisterung für ein Thema, den für sich selbst richtigen Kanal  (oder Kanäle), um zu kommunizieren und Spaß an der Sache. Dann findet man sicher Kolleg*innen aus dem Feld, die das auch tun, interessierte Leser*innen/Hörer*innen/was auch immer.

Das Wörtchen „erfolgreich“ ist an der Frage allerdings schwierig. Hab ich Erfolg, wenn  20.000 Menschen ein Video von mir gesehen oder einen Text gelesen haben? Habe ich Erfolg, wenn eine Schülerin von mir begeistert wurde und sich ein Mikroskop kauft? Habe ich Erfolg, wenn eine Agentur mich anfragt ob ich irgendwas influencen will? Das ist schwierig, eine allgemeine Antwort darauf zu geben, finde ich.

Kannst du sagen, was dir die digitale Wissenschaftskommunikation gebracht hat, persönlich oder auch professionell?

Professionell waren die Auswirkungen sehr groß. Ein ganzes Kapitel meiner Doktorarbeit verdanke ich der Wissenschaftskommunikation. Ich hab mir lange den Kopf zerbrochen, wie ich das, was ich in meiner Doktorarbeit mache, in einem Blogartikel erkläre. Mir ist keine passende Metapher oder ein Bild eingefallen. Ich habe immer wieder darüber nachgedacht, ich wollte eine schöne Metapher finden – dieser Wunsch hatte sich in meinem Hinterkopf festgesetzt.

Das war einer DER Schlüsselmomente für mich, wo ich erkannt habe, wie viel mehr Wissenschaftskommunikation einem Forschenden bringen kann.

Es hat gut ein Jahr gedauert, bis mir ein guter Erklärungsansatz für einen Blogartikel eingefallen ist. Während ich dann den Artikel schrieb, und auch mit meinem Chef Dr. Jan Schmoranzer darüber gequatscht habe, ist uns beiden aufgefallen, dass dies nicht nur eine populärwissenschaftliche Erklärung ist. Ich hatte eine ganz neue Sicht auf mein Projekt und wir haben aus diesem Blickwinkel auch ein Paper geschrieben. Mehr noch: Wir haben zusätzliche Experimente gemacht, die sich mit einem Aspekt auseinander setzen, den wir vorher gar nicht auf dem Schirm hatten. Vorher ging es beim Projekt vor allem um Farbunterscheidung, aber mit dem neuen Blickwinkel wurde die Rauschunterdrückung immer wichtiger. Das kann man nachlesen unter „Ich hab was gegen Rauschen.“

Ich bin also durch das Suchen eines Erklärungsansatzes für Laien auf eine Sichtweise gestoßen, die mich als Wissenschaftler weiter gebracht hat. Das war einer DER Schlüsselmomente für mich, wo ich erkannt habe, wie viel mehr Wissenschaftskommunikation einem Forschenden bringen kann.

Wie sieht dein Social-Media-Alltag aus, wie organisierst du deine Aktivitäten im Netz?

Puh, ich glaube, ich bin da gar nicht so sehr organisiert. Twitter ist halt auf meinem Telefon und ich schaue da jeden Tag mal rein – ich kann mich glücklich schätzen, dass sich Twitter für mich irgendwie nicht nach Arbeit anfühlt, aber das gilt sicher nicht für jeden.

Wenn ich einen neuen Blog-Artikel geschrieben habe, dann geht ein Automatismus los, um die „frohe Botschaft“ breit zu streuen, über alle sozialen Medien und Kanäle auf denen ich vertreten bin.

Für „Plötzlich Wissen!“ bin ich etwas organisierter – aber da bin ich ja auch nicht alleine, sondern zusammen mit Inga Marie Ramcke und Dr. Julia Schnetzer. Wir haben so etwas wie einen Redaktionsplan für Artikel und Posts in den sozialen Medien, wobei ich mich wohl zu ca. 90% um unseren Twitter-Kanal @ploetzwiss kümmere.

Vielleicht sollte ich mich selbst noch besser organisieren, aber ich denke, dass ich das nicht tue, damit es sich nicht zu sehr nach Arbeit anfühlt und ich eventuell den Spaß daran verliere. Sicher, ein bisschen Strategie habe ich und schadet ja auch nicht, aber man muss es ja nicht übertreiben.

Ich bin neugierig. Was ist dein nächstes großes Ziel als Wissenschaftler im Netz?

Ich glaube, ich habe da gleich mehrere Ziele, wobei ich sagen würde, dass ich bei allem was ich so treibe, immer auch noch andere Kanäle mitdenke. Mir geht also nicht nur die Online-Kommunikation durch den Kopf.

Zusammen mit Dr. Bernd Rupp werde ich sehr bald einen Podcast starten: das Wirkstoffradio. Zwei Wissenschaftler erzählen über das sehr multi-disziplinare Feld der Wirkstoffforschung und interviewen auch andere Wissenschaftler*innen dazu.

Im Herbst plane ich auch ein Kneipen-Format, das sehr intensiv online begleitet werden wird, unter andrem mit der Online-Bereitstellung von Audio-Material – aber das wird kein reiner Podcast, hier wird es einiges an Interaktion geben, teilweise auch zum Mitraten. Mehr will ich noch nicht erzählen. 😉

Auf jeden Fall geht es mit „Plötzlich Wissen!“ weiter. Wir sind gerade auf der Suche nach einer Finanzierung, nachdem die Förderung durch das BMBF Ende 2017 ausgelaufen ist. Wir sind auf der re:publica mit einem Talk vertreten und planen für 2018 sowohl einiges, bei dem wir vor Ort unser Ding machen. Wir haben aber auch Ideen für eine bessere Online-Kommunikation. Dem Twitter-Kanal @ploetzwiss zu folgen kann ich nur empfehlen und ab und zu auch mal bei ploetzlichwissen.de vorbeizuschauen.

Ich habe mir auch vorgenommen, etwas mehr auf scienceblogs.de/diekleinendinge zu bloggen, aber ich schätze, das nimmt sich jeder Blogger vor, der noch keine Regelmäßigkeit in seinen Blog-Postings hat. Auf jeden Fall gibt es ab Sommer/Herbst da eine neue Serie von Artikeln.

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Zum Abschluss noch eine indiskrete Frage: Gerade bei den ersten Schritten mit Social Media macht man ja oft mal komische Dinge oder läuft etwas schief. Über welche Geschichte aus deiner digitalen Jugend musst du immer noch schmunzeln?

Weniger schmunzeln, eher im Boden versinken. Ein – wohl leider klassischer Fall – von Mansplaining und Dunnig-Kruger-Effekt. Ganz unreflektiert habe ich einer Frau auf Twitter zum Thema Public-Domain-Bilder aus der Wissenschaft geschrieben und erklärt, dass das ja wohl nicht so einfach wäre. Sie hat freundlich geantwortet und nach meinen Argumenten für diese Aussage gefragt und erst dann stellte ich fest, dass da am anderen Ende der Twitter-Unterhaltung eine Expertin für Lizenzen und Copyright schrieb, noch dazu eine Abgeordnete im Europaparlament, Julia Reda.

Als mich diese Erkenntnis traf, wollte ich im Boden versinken und war ab diesem Zeitpunkt auch reflektierter, was mein Kommunikationsverhalten anging. Die Geschichte ging übrigens ganz gut aus: Ich habe um Entschuldigung gebeten und sie wurde mir gewährt. Einige Monate später nahm ich Kontakt mit Julia Reda auf, um einen Blogartikel über die EU-Copyright-Reform zu schreiben und was das alles für die Wissenschaftswelt bedeutet und Frau Reda und ihr Büro waren sehr hilfsbereit und haben mir mit vielen Quellen weitergeholfen. Ich kann also über die Sache mittlerweile schmunzeln, aber das hat lange gedauert – und ein wirklich befreites Schmunzeln ist es auch nicht. Schließlich erinnert man sich nicht sonderlich gerne an Situationen, in denen man sich wie ein Vollpfosten verhalten hat, aber ich hab immerhin daraus gelernt.

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