Welchen Sinn hat Twitter für Forschende? Ergebnisse aus 2 Studien
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Welchen Sinn hat Twitter für Forschende? Ergebnisse aus 2 wissenschaftlichen Studien

Welchen Sinn hat Twitter für dich? Hast du darüber schon einmal nachgedacht? Einige Wissenschaftler*innen haben nicht nur nachgedacht, sondern gleich nachgeforscht.

Ich möchte dir in diesem Artikel zwei Studien vorstellen. Beide beschäftigen sich im Grunde mit der Frage: „Was bringt Twitter den Forschenden?“

Ich habe mich nicht durch alle Twitter-Studien gelesen, die es gibt. Ich habe diese beiden Studien ausgewählt, weil sie dich motivieren werden, bei Twitter am Ball zu bleiben.

Studie Nr. 1: Wen erreichen Wissenschaftler*innen bei Twitter?

Die erste Studie stammt von Isabelle M. Côté und Emily S. Darling aus dem Jahr 2018. In „Scientists on Twitter: Preaching to the choir or singing from the rooftops?“ analysieren sie wissenschaftliche Reichweite.

Bleiben Wissenschaftler*innen bei Twitter unter sich (Inreach) oder erreichen sie ein größeres, auch nicht-wissenschaftliches Publikum (Outreach)? Außerdem fragt die Studie: Verändert sich die Zusammensetzung der Followerschaft, wenn mehr und mehr Follower hinzukommen?

Unter einem größeren Publikum verstehen die Autorinnen Journalist*innen, die interessierte Öffentlichkeit und Entscheidungsträger in Behörden und Politik. Aber auch Wissenschaftskommunikator*innen und Mitarbeiter*innen in Museen, Zoos und Bildungseinrichtungen.

Twitter-Analyse von 110 Wissenschaftler*innen der Umweltforschung

Als Grundlage der Stichprobe wählten die Forscher*innen die öffentliche Twitterliste von J. Byrnes, die zum Zeitpunkt der Erhebung ca. 450 Wissenschaftler*innen der Umweltforschung, Evolutions- und Meeresbiologie versammelte.

Aus diesen 450 wählten Côté und Darling am Ende 110 Forschende aus, die u. a. nachweislich Mitglied einer Fakultät waren und tatsächlich aktiv twitterten.

Zusammen hatten die 110 Wissenschaftler*innen über 60.000 Follower, die einzelnen Follower-Typen (Wissenschaftler*in, Studierende*r, Journalist*in, Politiker*in etc.) zugeordnet wurden.

Ergebnisse: Ab 1.000 Follower mehr nicht-wissenschaftliche Follower

Die Mehrheit der Follower von twitternden Wissenschaftler*innen sind Wissenschaftler*innen.

40 Prozent der Follower lassen sich der Öffentlichkeit, den Medien, Bildungsinstitutionen und in sehr geringer Zahl der Politik zuordnen.

Wissenschaftler*innen gewannen zunächst hauptsächlich Follower, die ebenfalls in der Wissenschaft tätig sind.

Politiker*innen zählen zu der kleinsten Follower-Gruppe. Ihre Zahl nahm jedoch zu, wenn die Wissenschaftler*innen mehr als 2.200 Follower hatten.

Im Durchschnitt hatten Wissenschaftler*innen mit mehr als 1.000 Followern mehr nicht-akademische Follower als akademische Follower.

Fazit: Diversität der Followerschaft erhöht Gesamtreichweite

Wissenschaftler*innen twittern zu Beginn ihrer „Twitter-Karriere“ innerhalb der Wissenschaftscommunity.

Wenn Wissenschaftler*innen mehr als 1.000 Follower haben, funktioniert Twitter als Outreach-Tool.

Die Mehrheit der Menschen, die ihnen dann bei Twitter zuhören, sind Teil der allgemeinen Öffentlichkeit, der Medien, der Politik. Oder arbeiten in NGOs, Stiftungen, Museen oder Einrichtungen für Wissenschaftskommunikation.

Eine große Followerzahl führt nicht nur zu einer diversen Followerschaft. Sondern auch zu einer erheblich größeren Gesamtreichweite!

Warum? Deine Follower haben auch Follower.  Manche mit tausenden oder hunderttausenden Followern. Retweetet so ein großer Account deinen Tweet, erreicht deine Botschaft eine unglaublich große Menge an Menschen.

Wie groß soll deine Reichweite als Wissenschaftler*in sein?

Hast du das eine oder andere Ergebnis bereits vermutet?

Fakt ist, dass nicht jede*r außerhalb der eigenen Wissenschaftscommunity kommunizieren möchte. Und manche bereits froh sind, wenn sie überhaupt in der eigenen Wissenschaftsbubble bei Twitter wahrgenommen werden.

Fakt ist auch, dass es eine  ganze Weile dauert, bis du 1.000 Follower zusammen hast. Das kann Monate oder auch Jahre dauern.

Wenn du aber ein bestimmtes Ziel vor Augen hast (immer wichtig, egal ob beim Bloggen oder Twittern!), überlege dir, wie groß deine Community dafür sein muss. Und wie aktiv du dafür sein musst. Je mehr du tweetest, desto mehr Follower bekommst du!

Ozeanographin und Wissenschaftskommunikatorin Mirjam Glessmer hat sich die Studie übrigens ebenfalls angesehen und ihr persönliches Twitter-Fazit zu 1.000 Followern gezogen (Englisch). Lest mal rein.

Studie Nr. 2: Beeinflusst Twitter die Zitationsrate?

Die zweite Studie von Brandon K. Peoples und Kolleg*innen ist etwas älter. Von 2016. Aber nicht weniger spannend!

In „Twitter Predicts Citation Rates of Ecological Research“ geht es – wie der Titel bereits verrät – um den Zusammenhang zwischen Twitteraktivität und Zitationsrate.

Immer mehr Wissenschaftler*innen nutzen Social Media, um ihre Forschung zu verbreiten. Die Erwähnungen von Studien auf Blogs, bei Facebook oder Twitter gelten inzwischen als alternativen Metriken (Altmetrik). Also als Alternative zu den traditionellen Metriken wie dem h-Index und der Zitationsrate, an denen Forschungserfolge gemessen werden.

Aber wie genau stehen sie miteinander in Beziehung? Können Wissenschaftler*innen durch Social Media ihren „Research Impact“ beeinflussen?

Peoples und seine Kolleg*innen beschränken sich in ihrer Studie auf Twitter, um diesen Fragen nachzugehen.

Twitter- und Zitationsdaten für 1.600 Artikel aus 20 Fachzeitschriften

Die Wissenschaftler*innen schauten sich die Twitteraktivität und die Zitationsdaten für fast 1.600 Artikel aus 20 Fachzeitschriften für Umweltforschung an. Die Journals verfügten über unterschiedliche Impact-Faktoren.

Die Twitteraktivität wurde anhand der Tweets, der Twitter-Accounts und der Reichweite gemessen. Also wie viele Tweets und Retweets gab es zu einem bestimmten Artikel? Wie viele Twitter-Accounts twitterten über diesen Artikel? Wie viele andere Twitter-Accounts erreichte ein Tweet über diesen Artikel?

Die Zitationsdaten entstammten dem Web of Science.

Ergebnisse: Anzahl der Tweets sagt Zitationsrate vorher

Für mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Artikel gab es auf Twitter keine Erwähnung.

17 Prozent der Artikel hatten nur einen Tweet. Die Reichweite der Single-Tweets lag zwischen 0 (von einem Account mit null Followern) und 10.939.

Die Twitteraktivität war ein signifikanter Prädiktor für die Zitationsrate. Insbesondere durch den Faktor „Anzahl der Tweets“.

Die Twitteraktivität wurde nicht durch den Impact-Factor des Journals bestimmt.

Fazit: Twitter hilft nur relevanter Forschung

Die Twitteraktivität steht in eindeutigem Zusammenhang mit der späteren Zitationsrate von Artikeln aus dem Bereich der Umweltforschung. Die Wissenschaftler*innen nehmen an, dass dieses Prinzip auch für andere Disziplinen gilt.

Für die Twitteraktivität von Artikeln der Umweltforschung war der Impact-Factor nicht entscheidend. Journals mit einem hohem Impact-Factor wurden nicht zwangsläufig häufiger auf Twitter diskutiert.

Trotzdem bleiben die Autor*innen vorsichtig und geben zu bedenken, dass der Einfluss des Impact-Factors sich in anderen Fachrichtungen stärker zeigen könnte.

Die Twitteraktivität steht in eindeutigem Zusammenhang mit der späteren Zitationsrate.

Müssen Wissenschaftler*innen jetzt einfach nur viel twittern, um zitiert zu werden?

Viel hilft nicht immer viel. Die Ergebnisse müssen auch relevant sein. Schlechte Forschung wird nicht häufiger zitiert, nur weil über sie getwittert wird. Hervorragende Umweltforschung dagegen wird auf Twitter diskutiert und auch zitiert, unabhängig vom Impact-Faktor des Journals.

Forschende dürfen aber nicht erwarten, dass ihr Paper häufig zitiert wird, ausschließlich weil es in einem angesehenen Journal veröffentlicht wird. Peoples und Kolleg*innen empfehlen daher eine starke Online-Präsenz und die Veröffentlichung von hochqualitativer Forschung.

Welchen Sinn hat Twitter? Du unterstützt deine Online-Sichtbarkeit und deine Zitationsrate

Meine Empfehlung: Wenn du gute Forschungsarbeit geleistet und einen Artikel geschrieben hast, twittere darüber! Und nicht nur einmal. Stelle zum Beispiel die Ergebnisse in kleinen Häppchen vor. In mehreren Tweets oder in einem Thread. Erstelle Grafiken dazu, damit du mehr Aufmerksamkeit bekommst.

Tausche dich mit Kolleg*innen aus und stelle Fragen. Erkläre, auf welche Literatur sich dein Artikel stützt. Dir fallen bestimmt noch weitere Möglichkeiten ein.

Damit vergrößerst du nicht nur deine Online-Reichweite, sondern beeinflusst auch maßgeblich die Zitationsrate deiner Artikel positiv.

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