Darum solltest du als Wissenschaftler im Netz aktiv werden
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Darum solltest du als Wissenschaftler im Netz aktiv werden

Warum solltest du als Wissenschaftler*in Wissenschaft online sichtbar machen? Und wie profitierst du selbst davon auf deinem persönlichen Karriereweg?

Diese Fragen sollte mein Vortrag beim 3rd German Pharm-Tox Summit in Göttingen am 27. Februar 2018 beantworten – und vor allem erfolgreiche Beispiele von im Netz aktiven Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Chemie, Pharmazie und Medizin zeigen.

Im Anschluss an die Session hatte ich ein paar sehr nette Offline- und Online-Gespräche. Online – und zwar auf Instagram – entstand die Idee, die Folien und eine kurze Zusammenfassung des Vortrags auf meinen Blog zu stellen.

So kannst du dir alles noch einmal in Ruhe ansehen. Oder – falls du nicht dabei warst – hoffentlich ein paar neue Impulse mitnehmen.

Also, los geht’s!

Warum digitale Wissenschaftskommunikation deine Karriere voranbringt

Bist du dir unsicher, wie es nach der Promotion für dich weitergeht? Gleichgültig, ob die Antwort auf die Frage ja oder nein lautet, solltest du dich fragen: Hoffst du noch oder gestaltest du schon?

Beruf und Berufung sind zwei entscheidende Dinge. Wenn du deine Berufung als Wissenschaftler*in gefunden hast, möchtest du wahrscheinlich in der Wissenschaft bleiben. Aber vielleicht hast du bereits gemerkt, dass verschiedene äußere Umstände bestimmen, ob es einen Platz für dich in der Wissenschaft gibt.

2012 wurden 26.800 Promotionen abgeschlossen, aber nur 1.650 Habilitationen

Befristete Verträge und rar gesäte Professorenstellen sind der Grund dafür, dass zwischen 60 und 80 Prozent der promovierten Nachwuchwissenschaftler*innen die Wissenschaft verlassen und einer Beschäftigung in einem anderen Sektor nachgehen.

Wenn du die Möglichkeit nutzt, als Wissenschaftler*in in den sozialen Medien präsent zu sein, kannst du deine wissenschaftliche Karriere aktiv gestalten – und die Chance auf einen (dauerhaften) Platz in der Wissenschaft erhöhen.

Vortrag: Wissenschaft online sichtbar machen

Forschungsergebnisse und Fähigkeiten kommunizieren

Über Blogs, Podcasts, Twitter, Facebook und Instagram kannst du deine Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen – und gleichzeitig deine Fähigkeiten kommunizieren.

Dafür musst du wissen, wo du eigentlich hin willst. Welchen Fußabdruck willst du mit deiner Arbeit oder deiner Forschung auf dieser Welt hinterlassen?

Ich habe mich das auch gefragt und am Ende beschlossen, mich nicht mehr zu bewerben, sondern mich selbstständig zu machen. Was mir geholfen hat – und das wird dir ebenso helfen – ist, online zu kommunizieren und eine Online-Identität aufzubauen.

Erfolgreich kommunizierende Wissenschaftler*innen sind kein neues Phänomen

Wenn du deine Erkenntnisse selbstständig verbreitest, fallen gleich zwei Kommunikationsschranken weg: die der Pressestellen und die der Wissenschaftsredaktionen. Das ist deine Chance als Wissenschaftler*in, selbstbestimmt und ungefiltert über deine Forschung zu sprechen.

Dafür musst du nicht bei einem Science Slam auf der Bühne stehen. Wenn dir der Auftritt auf der großen Bühne nicht liegt, hast du eine andere effektive Möglichkeit, auf dich aufmerksam zu machen: mit einem Blog!

Zeit ist dabei immer ein limitierender Faktor. Niemand wird dir mehr Zeit schenken. Digitale Wissenschaftskommunikation ist deshalb eine Frage der Priorität und der Leidenschaft.

Wissenschaftsblogs können sehr unterschiedlich sein. Es gibt Wissenschaftsblogs, die sind wie eine Fachzeitschrift aufgebaut und bestehen aus einer kleinen Redaktion und einem größeren Pool von Autoren.

Persönliche Blogs von einer Wissenschaftlerin oder einem Wissenschaftler

Persönliche Blogs hingegen drehen sich um eine einzelne Wissenschaftlerin oder einen einzelnen Wissenschaftler. Sie suchen sich ein Thema und schreiben einfach drauf los, so wie Susanne Thiele auf ihrem Blog „Mikrobenzirkus“ oder Marco Körner auf seinem Blog „Der chemische Reporter.“

Eine dritte Möglichkeit, über die eigene Forschung zu berichten, sind Blogplattformen wie scienceblogs.de oder scilogs.spektrum.de, die eher einen naturwissenschaftlichem Schwerpunkt haben. Oder hypotheses.org, wo schwerpunktmäßig über geisteswissenschaftliche Themen gebloggt wird.

Bloggen zwingt dich, deine Gedanken zu strukturieren und Forschungsergebnisse so zu formulieren, dass auch interessierte Laien sie verstehen können. Das Beste daran ist: mit einem Blog baust du Schritt für Schritt deine digitale Identität auf. Das kann dir schon bei der nächsten Stellenbewerbung oder dem nächsten Forschungsantrag zugute kommen, wenn man deinen Namen googelt. Denn Blogs werden von Google besonders gut gerankt.

Entwickle deine persönliche Blog-Strategie

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Twitternde Wissenschaftler*innen

Twitter ist eine besondere Herausforderung, weil es hier eher um pointiertes Formulieren als um inhaltliche Tiefe geht. Orientiere dich an Wissenschaftler*innen, die Twitter zu ihrem Medium gemacht haben, so wie Robert Hoffie, Lars Dittrich oder Dr. Christian Lübbers. Der medienaffine HNO-Arzt kommt auf über 6.000 Follower.

Nutze Twitter als Ort für wissenschaftlichen Austausch oder als Instrument, um Inhalte zu verbreiten, die du woanders publiziert hast: Bücher, Blogartikel oder wissenschaftliche Grafiken. So wie Johannes Richers, der als Wissenschaftler und Designer Infografiken erstellt und durch seine Social-Media-Aktivitäten auch Kund*innen gewinnen möchte.

Wenn du dich fragst, ob digitale Wissenschaftskommunikation dir auch auf deinem Weg zur Professur hilft, ist die Antwort nicht einfach. Durch unsere Social-Media-Aktivitäten wollen wir Aufmerksamkeit bekommen. Hohe Klickzahlen sind ein Zeichen dafür, dass ein Beitrag oder Forschungsthema gut ankommt. Über die wissenschaftliche Qualität sagt das aber nichts aus.

Und obwohl niemand aufgrund seiner Twitteraktivitäten eingestellt oder berufen wird, kann Social Media als Teil der eigenen Vernetzungsstrategie Vorteile bringen. Wenn du noch keine feste Stelle hast, mach soviel PR wie möglich für dich! Du weißt nie, über welche Wege sich die nächste beruflich Chance ergibt.

Authentisch bleiben und sich als Forscherpersönlichkeit sichtbar machen

Das Allerwichtigste dabei ist: bleib authentisch! Wissenschaft online sichtbar zu machen, bedeutet auch immer, sich als Forscherpersönlichkeit sichtbar zu machen. Aber verbieg dich nicht! Wenn du kein komödiantisches Talent besitzt, versuche nicht, besonders lustig zu sein. Wenn du Selfies hasst, stell‘ keine ins Netz.

Wenn du es allerdings schaffst, dich und deine Forschung so im Internet zu präsentieren, dass du die Aufmerksamkeit deiner Forschungscommunity oder das Interesse von Journalist*innen weckst,  wirst du vielleicht zum TV-Interview eingeladen oder findest genügend Unterstützer*innen für deine Crowdfunding-Kampagne.

Muss ich jetzt vloggen oder bloggen?

MUSST du jetzt als Wissenschaftler*in einen YouTube-Kanal haben oder bloggen? Die Antwort ist ganz klar nein. Wenn dir die Kommunikation mit der Öffentlichkeit nicht liegt, zwingt dich niemand dazu. Wenn du aber motiviert bist, stürz dich einfach ins Kommunikationsabenteuer!

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