Was Hochschulen von Musik und Medien lernen können – Susanne Geu
Susanne Geu macht Wissenschaft sichtbar. Ihre Schwerpunkte sind Selbstmarketing für Wissenschaftler*innen, Social Media & Website-Texte.
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Was Hochschulen von Musik und Medien lernen können

Kennst du das auch? Du stehst morgens auf, blickst aufs Handy und schon fliegen dir die Informationen aus Twitter, Facebook, Instagram, XING und deinem Newsfeed nur so um die Ohren. Egal ob Freundesnachricht, sponsored Tweet oder die kurze Push-Info über neue Likes and Shares, dauernd ist da jemand, der dir sagt: „Hey, schau dir das an! Das ist wichtig!“ Es liegt nun bei dir zu entscheiden, ob und was du wie lange liest und worauf du reagierst oder nicht. Die Informationsmenge ist so groß, dass du täglich mit der Auswahl dessen beschäftigt bist, was du an dich heranlässt.

Informationsflut ist kommunikative Herausforderung für Hochschulen

Ganz schön anstrengend oder?! Mir geht es nicht anders. Und deinen Studierenden wahrscheinlich auch. Felix Stalder, Medientheoretiker an der Hochschule der Künste Zürich, fasst diesen Prozess mit dem Satz „Auswählen ist das neue Produzieren“ auf der Veranstaltung „Hochschulperspektiven: Veränderung durch Digitalisierung – Lernen von anderen Branchen“ treffend zusammen. Sein Fazit:

Wir können ein Buch lesen, aber nicht 10.000 Datensätze. Und brauchen deshalb auf ein menschliches Maß vorsortierte Informationen.

Ich saß im Publikum des Diskussionsforums, zu dem die Fernuniversität in Hagen eingeladen hat, stimmte innerlich zu und fragte mich, wie das funktionieren soll. Wer sortiert hier für wen vor? Wie dringen Hochschulen zu ihren Studierenden durch, wenn täglich aussortiert und ausgewählt werden muss? Und wie sollen ausgerechnet Musik, Medien und Wirtschaft Lösungen bereithalten, die den Hochschulen nutzen?

Netzwerke und persönliche Beziehungen revolutionieren Musik-Industrie

Die Musikbranche ist wohl ein gutes Beispiel, weil sie als eine der ersten von der Digitalisierung profitiert hat. Ganz früher gab es Musik nur live. Später wurde nur noch Musik gespielt, die gedruckt vorlag. Die Verlagswirtschaft entstand. Eine fundamentale Transformation, die sehr viel mehr Leuten den Zugang zu Musik ermöglichte. Und spätestens seitdem sich Musik akustisch auch „aufbewahren“ lässt, reden wir von so etwas wie der Musikwirtschaft, von der unser Musik-Wohlstand lange abhing. Das sei nun nicht mehr so, sagt Carsten Winter, Professor am Lehrstuhl für Medien- und Musikmanagement von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, während seines Vortrags an diesem Vormittag.

Plötzlich sind da Künstler, Einzelkämpfer, die sich auch ohne Industrie im Rücken im wahrsten Sinne des Wortes Gehör verschaffen können. Die eigene Playlist bei Spotify, die wir mit allen teilen, ist jetzt wertvoll, weil sie es ermöglicht, Gemeinschaften zu entfalten, persönliche Beziehungen aufzubauen. Nichts funktioniert mehr so, wie die Musikindustrie es erwartet hat. Das was früher Unternehmen geschaffen haben, wird heute in Netzwerken gemacht. Carsten Winter nennt sie Artpreneure und sagt, dass es das ist, wovor Unternehmen Angst haben: Menschen finden sich zusammen und kriegen es besser hin als die üblichen Konzerne.

Die Integration von einzelnen Akteuren ist die größte Herausforderung vor der die Musik-Unternehmen stehen. Aber auch der einzige Weg, damit co-organisierte Wertschöpfung gelingen kann.

5 Tipps für Hochschulen

Was heißt das für die einzelne Hochschule? Carsten Winter empfiehlt der Universität, sich plural offener zu vernetzen, genauer gesagt

die Co-Kreation und Co-Finanzierung kreativer Netzwerke in Betracht zu ziehen,

sich eine strategisch gut vernetzte Position als digitale Innovatorin aufzubauen,

neue Formate und Mittel für Konferenzen, Workshops und Lehre mitzuentwickeln,

neue Partnerschaften für Wissenschaft und universitäre Forschung und Lehre einzugehen und

Digitalisierung zu trainieren, zu verstehen, zu üben, zu kritisieren, zu leben und mitzugestalten.

Was ich allerdings viel beeindruckender finde, ist das, was er danach sagt.

Das Festhalten an der Form wird zum Problem und es ist wichtig, Empathie zu entwickeln und zuzuhören!

Für mich heißt das: Wo sehen Mitarbeiter Anpassungsbedarf oder neue Lösungswege? Welche Kommunikationswege bevorzugen Studierende? Wie funktioniert heute Studieninformation und Studienwahl? Soziale Medien bieten viele Möglichkeiten zuzuhören. Zuhören heißt ernst nehmen. Skepsis ablegen. Eine offene Grundhaltung einnehmen. „Haben wir schon immer so gemacht“ zählt da nicht mehr. Aus einer Hol- ist heute eine Bringschuld geworden. Ist das falsch? Nein. Denn die Informationsflut ist da. Du, ich und alle anderen sind ständig im Prozess des Auswählens. Was hilft? Neue Formen und neue Herangehensweisen auszuprobieren. Zu Beobachten, ob die Botschaften ankommen und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.

Neue Formate um junge Zielgruppen zu erreichen

Das Festhalten an der Form scheint manchmal wie der sichere Hafen, den man kennt und ungern verlässt. Tut man es doch, passiert vielleicht so etwas wie beim Sommer-Interview 2015 mit der Bundeskanzlerin. Medienforscher Andy Kaltenbrunner nennt die klassische Version der ARD in seinem Vortrag „fad“ und die YouTube-Variante mit LeFloid „unjournalistisch“. Aber: Das YouTube-Video von LeFloid hat bis heute über 5 Millionen (!) Aufrufe, das Video der ARD nur ca. 2 Millionen. In der Zielgruppe der Jugendlichen hat das YouTube-Video damit eine deutlich höhere Relevanz. Neue Formate sind nicht die einzige Herausforderung. Die Digitalisierung verlangt neue Kompetenzen. Newsroom-Journalisten werden durch Webdeveloper und Data-Journalisten ersetzt.

Neue Handlungsformate und Qualifikationsfragen zukünftiger Mitarbeiter werden auch die Hochschulen treffen.

Aufgabenkern kennen und Geschäftsmodelle entwickeln

Die Digitalisierung hat die Medien allumfassend getroffen. Produktion, Produkt, Nutzung, Vertrieb, Konkurrenzumfeld und Geschäftsmodell haben sich verändert. Papier verbindet heute kein Mensch mehr zwangsläufig mit Medien. Romanus Otte, Leiter Axel Springer Global Network, sagt, es sei wichtig, den eigenen Aufgabenkern zu kennen und dafür neue Modelle zu finden. Um zu wissen, wer man ist, muss man zunächst wissen, wer oder was man nicht ist und was man nicht macht.

Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden

Das was Hochschulen daraus mitnehmen können, sind die beiden Lehrsätze der digitalen Revolution, die Otte an diesem Tag ins Zentrum seines Vortrags rückt: 1. Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden. 2. Was nicht digitalisiert, aber digital ersetzt werden kann, wird digital ersetzt.  Der Vorteil von dieser größtanzunehmenden Veränderung auszugehen, besteht darin, emotional und strukturell auf neue Handlungsformate, Netzwerke, Finanzierungsmodelle, Vertriebswege und Qualifikationsfragen an den Hochschulen vorbereitet zu sein und die daraus resultierenden Anpassungsleistungen Schritt für Schritt im Hochschulalltag umzusetzen.

Wo können Hochschulen sich aus deiner Perspektive noch Inspiration holen? Hast du bereits neue Formate ausprobiert?

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