So funktioniert gutes Science Entertainment
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So funktioniert gutes Science Entertainment

So funktioniert gutes Science Entertainment

„Hören Sie auf mit dem Scheiß! Das ist nicht wissenschaftlich!“ Das war in der Tat eine Aufforderung, mit der sich André Lampe, Laserphysiker und Wissenschaftskommunikator, noch bis 2010 drei- bis viermal täglich per E-Mail konfrontiert sah. Der Grund? Er macht Science Entertainment. Und das gefiel dem ein oder anderen Wissenschaftler wohl so gar nicht. Nicht nur ich hatte Schwierigkeiten, diese Anekdote zu glauben, die André auf dem Lange Nacht Barcamp am 10. März 2017 an der FU Berlin erzählte. Denn schließlich waren wir genau aus diesem Grund zusammen gekommen – um über Wissenschaftsevents und deren gelungene Umsetzung zu diskutieren.

Wissenschaft muss unterhalten

Wissenschaftsevents funktionieren über gutes Science Entertainment. Das wiederum bedeutet, Wissenschaft so zu verpacken, dass sie verstanden wird und Spaß macht. Was daran unwissenschaftlich sein soll? Nun ja, einige Wissenschaftler können sich mit der Kombination von Wissenschaft und Unterhaltung vielleicht nicht so recht anfreunden. Denn in der Konsequenz heißt das, wissenschaftliche Zusammenhänge herunter zu brechen und zu vereinfachen, um auch nicht-wissenschaftliche Zielgruppen (die durchaus wissenschaftsbegeistert sind!) zu erreichen.

Immer mehr Barcamps für Hochschule und Wissenschaft

Das Lange Nacht Barcamp war der perfekte Ort, um über gutes Science Entertainment zu diskutieren. Apropos Barcamp. Ich bin ein Barcampfan. Es ist toll zu sehen, dass es immer mehr Barcamps zum Thema Hochschul- und Wissenschaftskommunikation gibt. Mitte Februar erst war ich auf dem Hochschulbarcamp in Essen, im Juni wird erneut das WIMACamp zum Thema Wissenschaftsmarketing stattfinden.

10 Tipps für gutes Science Entertainment

Ich möchte in diesem Beitrag keinen klassischen Rückblick auf das Lange Nacht Barcamp geben, sondern zusammenfassen, welche Tipps ich für gutes Science Entertainment aus den verschiedenen Sessions mitnehmen konnte. Vielleicht kann der ein oder andere Punkt für die Planung des nächsten Wissenschaftsevents hilfreich sein.

1. Sei emotional und genial einfach

Erste und wichtigste Regel: Science Entertainment ist niemals „Wissenschaft, erklärt für Dumme“. Das ist die falsche Haltung. Denn es geht nicht um Details, statistische Werte oder Fachbegriffe. Es geht darum, Wirkprinzipien so zu erklären, dass sie verstanden werden. Frei nach dem Motto: Genial einfach! Außerdem: Leidenschaft und Emotionen transportieren Botschaften nachweislich am besten.

2. Verbinde Wissenschaft mit Alltag

Würdest du als Nicht-Chemiker zu einem Vortrag mit dem Titel „Untersuchungen zu photoinitiierten Iridium- und Ruthenium-katalysierten radikalischen Tandemcyclisierungen an Indolderivaten“ gehen? Nein? Ich auch nicht. Wie klingt dagegen „Heisenberg als Drogenboss – die Chemie in Breaking Bad und anderen Filmen“? Spannend oder?! Ein nicht-wissenschaftliches Publikum erreichst du am besten, indem du ihnen wissenschaftliche Phänomene aus ihrem Alltag (oder ihrer Lieblingsserie) näher bringst.

3. Hol Wissenschaft an neue Orte

Man mag es glauben oder nicht. Eine Universität oder ein Forschungslabor zu betreten, bedeutet für manche Menschen eine große Hemmschwelle. Neue Zielgruppen erreicht man daher manchmal viel besser in der Kneipe ums Eck oder den drei Cafés in Laufweite der Hochschule. Wissenschaft muss nicht erst an der Pforte des Instituts beginnen. Wissenschaft kann an jeden Ort gebracht werden.

4. Probiere neue Formate aus

Science Slam: Den Klassiker des Science Entertainment gibt es seit 10 Jahren. Wissenschaftler präsentieren ihre Forschungsthemen innerhalb von 10 Minuten vor einem Laienpublikum. Der Vortrag muss wissenschaftlich korrekt, verständlich und unterhaltend sein. Anschließend bewertet das Publikum alle Präsentationen. Der Sieger erhält einen Preis.

FameLab: Studierende und junge Wissenschaftler aus den Natur- oder Ingenieurwissenschaften haben jeweils nur drei Minuten Zeit, ihr Thema zu präsentieren. Es dürfen keine Präsentationsfolien verwendet werden, aber alle Hilfsmittel, die die Teilnehmenden selbstständig mit auf die Bühne bringen können. Die Bewertung der Vorträge erfolgt durch eine Jury, Kriterien sind Inhalt, Struktur und Charisma. Ein Format also, das dem Science Slam ähnelt, sich dann aber doch durch die kürzere Vortragsdauer, das Verbot von Folien und die Bewertung durch eine Jury davon unterscheidet.

Pecha Kucha: Kein Text, nur Bilder. Das ist das Prinzip der Vortragstechnik Pecha Kucha. Der mündliche Vortrag wird von genau 20 Bilder bzw. Folien begleitet, die an die Wand projiziert werden. Jedes Bild wird exakt 20 Sekunden lang gezeigt. Damit ist die Gesamtzeit von 6:40 Minuten auch die maximale Sprecherzeit. Das Format eignet sich aufgrund des Bilder-Fokus vor allem für die Bereiche Design, Kunst, Mode, Kultur und Architektur.

Snap’n’Walk, Instawalk, Tweetup: Egal ob Snapchat, Instagram oder Twitter – das Prinzip ist immer das gleiche. Eine kleine Gruppe von Social Media Fans wird zu einem Spaziergang durchs Labor oder durch die Geheimgänge der Universität eingeladen. Fotos und Statements werden unter dem eigens dafür kreierten Hashtag veröffentlicht. Das Geniale daran: die Leute haben Spaß und und das Wissenschaftsevent wird in den sozialen Medien sichtbar.

Science Rallye: Ein Mitmach-Format für Kinder und Jugendliche, bei dem es darum geht, Aufgaben an verschiedenen Stationen zu lösen. Für jede erfolgreich bearbeitete Frage gibt es einen Stempel. Sind alle Stempel eingesammelt, erhalten die Teilnehmenden eine Urkunde und nehmen mit ihrem vollständig ausgefüllten Fragebogen an einer Verlosung teil.

Eine gute Übersicht über viele weitere Wissenschaftsformate ist auf der Seite von wissenschaftskommunikation.de zu finden.

5. Coache deine Wissenschaftler

Es gibt sie bestimmt – die Forscher mit Bühnentalent, die jeden Science Slam rocken. Das Lampenfieber hält sich in Grenzen. Der rote Faden ist klar erkennbar. Rhetorik und Präsentation sind auf den Punkt. Alle anderen, die ihre Forschung zum ersten Mal vor einem größeren Publikum präsentieren, können von einem professionellen Workshop oder Coaching für ihren Auftritt nur profitieren. Es gibt Experten, selbst Science Slammer oder Wissenschaftskommunikatoren, die wissen, welche Dinge sich seit Jahren bewähren und die ihre Erfahrungen gerne weitergeben.

6. Entertaine zielgruppengerecht

Science Entertainment muss immer auf die Zielgruppe abgestimmt sein. Wie unterhalte ich Kinder im Planetarium? Wie muss ein gutes Entertainment-Programm für Erwachsene aussehen? Hol die Leute da ab, wo sie stehen. Und mach am besten immer etwas mit ihnen. Machen ist spannender als zuhören.

7. Sprich mit neuen Zielgruppen

Zur Langen Nacht oder dem Tag der offenen Tür kommen sowieso nur die eigenen Freunde, Kinder, Eltern, Großeltern und Bekannten? Alles nur Arbeitsplatzbesichtigung von Mama, Papa oder Schwester in großem Stil? Vielleicht. Damit die Veranstaltung nicht auf sich selbst bezogen bleibt, helfen folgende Fragen: Wen will ich eigentlich ansprechen? In welches Umfeld ist meine Veranstaltung eingebettet? Mit Aushängen am Schwarzen Brett der Schule, persönlichen Kontakten zu Lehrern oder kostenlosen Ehrenkarten für die Servicekräfte des Forschungsinstituts fühlen sich auch neue Zielgruppen im Wissenschaftsumfeld willkommen.

8. Nutze Social Media und beweise Ausdauer

Öffentlichkeitsarbeit für erfolgreiche Science-Entertainment-Formate muss das ganze Jahr über stattfinden. Auch wenn es das Event nur einmal pro Jahr gibt. Wenn gerade keine Lange Nacht ansteht, können andere wissenschaftliche Inhalte kommuniziert werden – mindestens drei Mal pro Woche. Oder wie Stefan Gotthold, Social-Media-Manager und Wissenschaftskommunikator, während des Barcamps sagte: „Social Media ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“

9. Lass Wissenschaftler twittern und instagramen

Du musst nicht alles selbst machen. Kreiere einen Hashtag zu deinem Event und lade neben den Besuchern auch die Wissenschaftler dazu ein, auf Twitter, Facebook und Instagram live zu berichten. Deine Wissenschaftler sind skeptisch und fragen nach dem Sinn und Zweck? Sprich mit ihnen in ihrer Sprache und schick ihnen die Paper „Ten Simple Rules of Live Tweeting at Scientific Conferences“ oder „An Introduction to Social Media for Scientists.“ (Danke für die Links, André!)

10. Kümmere dich um deine Fans

Community Management ist die neue Öffentlichkeitsarbeit. Zeige Fans und Followern einen Blick hinter die Kulissen des Events. Egal ob Twitterati sich über Facebook exklusiv für das Tweetup bewerben müssen oder Jugendliche zum gemeinsamen Snappen mit Wissenschaftlern eingeladen werden – so verbindest du Wissenschaft mit sozialen Medien und stärkst die Bindung der Wissenschaftsfans zu deiner Institution.

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